Radln ohne nass zu werden

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Saugrantig und waschelnass bin ich 2019 an einem Herbsttag mit meinem Radl heimgekommen. Bei ein paar Wolken am Himmel unter denen sogar a bisserl die Sonne rausgeschaut hat, bin ich weggefahren. Am Nachmittag hat's zu Schütten angefangen, aber  schon wie! Mein Parker war soachnass, so, als hätte man ihn ins Wasser geschmissen. Das war aber nicht das Schlimmste, denn das Treten strengte mich immer mehr an. Meine Haxen waren wegen der nassen Jeans sakrisch behindert.

Das Wetter wird immer heimtückischer
Was mir aber am meisten gestunken hat, mein Auto ist auf meinem Stellplatz gestanden und mir kam es vor, als hätte es mich schadenfroh angegrinst. Was nützt es, den Verkehr auf das Radl umzulagern, wenn man beim Radln mit kalter Dusche belohnt wird? So ein Sauwetter verdirbt einem die Freude am Radln und als Belohnung handelt man sich noch dazu einen Schnupfen ein. Aber nicht mit mir!

Obwohl Sparen in der heutigen Zeit keine Früchte mehr trägt, da Sparzinsen zum Fremdwort gestempelt wurden, spare ich auf ein Radl mit Dach. Glaubt mir, sowas gibt's. Ein überdachtes Radl muss her. Leider gibt es serienmäßig noch kein derartiges Vehikel auf dem deutschen Markt aber die Aussichten sind gut.

Witterungsunabhängig Radln auch in Deutschland?
Mehrere Firmen haben sich erbarmt, um in Zukunft den von Nässe geplagten Radlern einem Bio-Hybrid-Fahrradl ein Dacherl zu spendieren. Schweden ist uns da meilenweit voraus, denn dort tuckern schon etliche Dachradl durch die Prärie. Doch endlich ist auch Deutschland aufgewacht und einige Firmen bemühen sich für umweltfreundliches Fahren auch bei schlechter Witterung.

Gesucht und gefunden
Von einem Bio-Hybrid-Fahrradl mit Dacherl bin ich besonders beeindruckt, das von heise.online vorgestellt wurde. Es wird von der Schaeffler AG gebaut, einem Konzern, der eigentlich Automobil- und Maschinenbauzulieferer ist. Das Gefährt wurde auf der CES 2019 in Las Vegas vorgestellt und schaut aus wie ein Kabinenroller. Es ist aber ein Fahrrad auch wenn es nicht so aussieht, das jedem Sauwetter trotzen soll. Leider werden diese Dachradl anfangs noch sauteuer sein, darum heißt's noch einige Zeit: "Abwarten und Nasswerden".

Das überdachte Schaeffler Bio-Hybrid-Fahrrad
Zwei Modelle sollen im Sommer 2020 auf den Markt kommen. Das Bio-Hybrid Cargo mit 2,6 Meter Länge und der Passenger 2,18 Meter Länge. Beide Gefährte sind etwa 100 kg schwer, was vermten lässt, dass mit Material nicht geknausert wurde.

  • Die Passenger-Variante bietet Platz für zwei Personen.
  • Die Cargo- Variante hat eine umbaufähige Ladefläche.

Hallo Regierung, Radwege ausbauen!
Bald wird's eng auf den Radlwegen, denn neben den Solobikern und Familienkutschen werden sich Dachradl dazugesellen. Jetzt kann die Regierung mal zeigen, was sie drauf hat. Muss ich heute nur den Karavannn von Lastenkutschen und Radln mit Kinderanhängern ausweichen, kommen künftig noch die Vierrad-Radler dazu. Vielleicht gibt's dann eine Radlwegpolizei, die den Klimaverkehr regelt?

Keine Kennzeichen- und Helmpflicht
Weil ein Bio-Hybrid-Fahrradl mit Dacherl vermutlich stabiler auf der Straße liegt, darf man auch "oben ohne" fahren und den Helm an den Nagel hängen. Sollte man aber nicht, denn ein Helm schützt nicht nur vor Vogelscheiße, sondern auch vor Kopfverletzungen. Zudem könnte ein derartiges Gefährt durch Fahrfehler mal umkippen oder eine Böschung runterrauschen. Pfundig ist auch, eine Zulassung für das Dachradl ist nicht vorgeschrieben, doch empfehle ich die Typennummer bei der Polizei registrieren zu lassen.

Viel Komfort an Bord
Warum sollten Radler nicht ähnlich wie Autofahrer mit etwas Luxus durch die Gegend gondeln? Die Firma Schaeffler AG macht's möglich. Beim Scheffler Bio-Hybrid-Fahrradl ist ein Akku mit 1,2 kW/h verbaut, der einem etwa 50 Kilometer weit bringt. Ein zweiter Akku soll aber dazu gesteckt werden können. Zwar darf von einem E-Bike die Leistung von max. 250 Watt und ein Schub von 25 km/h nicht überschritten werden, dafür wird man aber mit allerhand Luxus entschädigt. Eine stufenlose Schaltung erhöht das Fahrvergnügen, außerdem sorgt ein elektrischer Rückwärtsgang für bequemes, millimetergenaues Rangieren. Auch das Ölen der Kette ist Schnee von gestern, denn ein Zahnriemenantrieb kommt zum Einsatz. Ein besonderes Schmankerl ist der Fahrradcomputer, serienmäßig mit GPS, WLAN und Bluetooth. Respekt!

Was müsste noch nachgerüstet werden?
Das Dach und die Windschutzscheibe dienen als Schutz bei schlechtem Wetter. Leider habe ich beim Schaeffler weder auf den Videos, noch in den Beschreibungen eine Lösung gefunden, wie die Scheibe von Regen befreit werden kann. Da in unserer Gegend haufenweise Raben durch die Lüfte schwirren, kann man auch damit rechnen, dass was auf der Scheibe landet, was den Vödeln aus dem Verdauungstrakt entfleucht. Ein Scheibenwischer wäre also schon von Vorteil. Mit Sicherheit werden die Techniker auch dieses Problemchen noch in den Griff bekommen.

Treten statt Gasgeben
Lange Zeit galt der Radlfahrer als Außenseiter oder einer, der sich das Geld für ein Auto sparen wollte. Heute ist das ganz anders, denn das Radl gilt als das Verkehrsmittel der Zukunft. Da ich derzeit noch beide Fortbewegungsmittel nutze aber mehr und mehr zum Radl tendiere, macht sich das auch in meinem Geldbeutel bemerkbar. Außerdem komme ich im Stadtgebiet deutlich schneller und nervenschonender an's Ziel. Die Bewegung in der frischen Luft ist gesund und macht Spaß, (wenn's nicht regnet). Dazu hat man noch die Chance, den kilometerlangen Staus an den Ampeln zu entkommen. Seit 2012 fahre ich fast nur noch mit einem meiner beiden Radl und 2019 war ich nur ein einziges Mal mit dem Auto beim Tanken.

Längst haben die Damen und Herren von BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN in ihrer Fahrrad-Politik auf die Vorteile hingewiesen, die das Radln bietet. Ein überdachtes E-Bike, wäre dazu die absolute Krönung und auf alle Fälle ein guter Ansatz, der unausweichlichen Verkehrswende Genüge zu leisten. Hab' ich recht oder hab' ich Recht?